Unternehmensgeschichte Aeropharm

Wir blicken auf eine über 135-jährige Historie zurück

Unser Standort in Rudolstadt wurde 2002 geründet, blickt aber auf eine Tradition zurück, welche bis ins Jahr 1876 reicht:

1876 bis 1945
Kaiserreich und Weimarer Republik – ein Gründerzeitbetrieb im Wandel der Epochen

imagesFriedrich Adolf Richter und das Ankerwerk Rudolstadt
1876 gründete der Unternehmer Friedrich Adolf Richter die „F. Ad. Richter & Cie. Fabrikation und Vertrieb chemisch-pharmazeutischer Präparate und Heilmittel“. Die fürstliche Residenz Rudolstadt am Rande des Thüringer Waldes mit seinen zahlreichen Olitätengärten und Laborantendörfern war der optimale Standort für den findigen Entrepreneur aus Duisburg. Zudem hatte das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt das 1871 erlassene deutsche Arzneimittelrecht nicht ratifiziert. Dieser juristische Tatbestand vergrößerte Richters unternehmerischen Spielraum beträchtlich.

Breite Produktpalette unter dem Zeichen des Ankers
Das erste Rudolstädter Produkt, der „Anker Pain Expeller“, zählte zu den ersten industriell hergestellten Arzneimitteln Deutschlands. Seine Rezeptur „80g eines Gemisches von 35 Teilen der Tinktur aus spanischem Pfeffer, 20 Teilen verdünntem Spiritus und 20 Teilen Salmiakgeist zum Preis von 1,75 Mk“ (Mayers Conversationslexikon von 1880) ließ eine erstaunliche Bandbreite von Anwendungen zu. Das Produkt war ein Verkaufsschlager – selbst wenn der Wirksamkeitsnachweis aus heutiger Sicht schwierig sein dürfte.

Als geschäftstüchtiger und vielseitig interessierter Entrepreneur erschloss sich Richter mit seiner Produktpalette bald schon außerpharmazeutische Bereiche. Neben Konsumgegenständen aller Art – von Schokolade über Musikautomaten bis hin zu Druckerzeugnissen – fertigte und vermarktete das Unternehmen auch die beliebten Anker-Steinbaukästen mit großem Erfolg. Die Erfindung der Lilienthal-Brüder, die als Flugpioniere in die Luftfahrtgeschichte eingegangen sind, erfreut sich noch heute weltweiter Beliebtheit.

Seit 1885 fungierte der Anker als Markenname und Fimensignet. Das maritime Symbol verkörperte den expansionistischen Zeitgeist der wilhelminischen Epoche, den der Kaiser höchstselbst treffend beschrieb: „Deutschlands Zukunft liegt auf dem Meer“.

Neue Horizonte in der „Ära Eversbusch“
Das Ableben des Firmengründers im Jahre 1910 und der Wunsch der Richter-Erben nach Aufteilung des Ankerwerks in Einzelfirmen brachten das Unternehmen in eine schwierige wirtschaftliche Situation. Erschwerend hinzu kamen die Folgen des ersten Weltkriegs. 1921 trat der Maschinenfabrikant Alfred Eversbusch als Hauptaktionär auf den Plan. Bis Mitte der 1930er Jahre reorganisierte er die Firma, indem er die AG in mehrere Einzelgesellschaften teilte und abgegrenzte Produktlinien klar positionierte. Organisatorisch verbunden blieben die Unternehmensteile durch die Person Alfred Eversbuschs.

imagesAlleinstellung in der Planwirtschaft – VEB Ankerwerk und GERMED
Bereits kurz nach Kriegsende nahm Eversbusch – autorisiert durch die sowjetische Besatzungsmacht – die Produktion von Kosmetika, Pflaster und Heilmittel wieder auf. Nach der Enteignung des Hauptaktionärs firmierte das Unternehmen ab 1953 als VEB Ankerwerk Rudolstadt. 1969 startete die Augentropfenproduktion, ein Jahr später lief die Aerosol-Herstellung an: Neben dem hautpflegenden Panthenol-Spray war ab 1970 auch das Astmaspray Novodrin erhältlich. Damit hatte sich das Unternehmen den Kerngeschäftsbereich erschlossen, der das noch aktuelle Portfolio und auch den zukünftigen Fokus bestimmt. imagesDer VEB Ankerwerk entwickelte sich zu einem der führenden ostdeutschen Pharmaproduzenten mit doppelter Alleinstellung: einziger Augentropfen-Hersteller der DDR und einziger Asthmasprayproduzent im gesamtem RGW/Comecon-Gebiet.

Im Zuge des staatlichen Konzentrationsprozesses wurde der VEB Ankerwerk 1974 in das Pharmazeutische Kombinat GERMED eingegliedert. Als fünftgrößter der insgesamt 15 Kombinatsbetriebe verfügte das Unternehmen über vier klar abgegrenzte Produktlinien: Pharmazeutische Liquida und antiasthmatische Aerosole, Ophthalmika und Verbandsstoffe. 1990 – im letzten Jahr unter staatlicher Ägide – erwirtschafteten die annähernd 1.000 Ankerwerk-Beschäftigten einen Umsatz von etwa 350 Millionen Mark.

Wendungen nach der Wende – vom Ankerwerk zu Aeorpharm

1989 ging das Unternehmen zunächst in die Treuhand über und firmierte fortan als ankerpharm GmbH. Im Firmenverbund des französischen Ophthalmika-Spezialisten Group Chauvin fungierte die Chauvin ankerpharm GmbH ab 1994 als Ausgangspunkt zur Geschäftsfeldentwicklung nach Ostdeutschland und Osteuropa.

Im Jahr 2000 ging Group Chauvin an den amerikanischen Konzern Bausch & Lomb über. Seit dem 28.12.2002 firmiert die Aeropharm GmbH als selbständiges Tochterunternehmen in der Sandoz-Gruppe. Mit der Übernahme durch den zweitgrößten Generikahersteller weltweit konnte der traditionsreiche Pharmastandort Rudolstadt gerettet und 49 Arbeitsplätze gesichert werden. Die vorhandene Infrastruktur und vor allem das Know-How der Beschäftigten mit ihrer teils langjährigen Produktionserfahrung bildeten das Zukunftskapital des neuen pharmazeutischen Unternehmens.

 

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