12-01-2012 Substitutionsmittel: Weniger Hilfsstoffe = mehr Sicherheit

Holzkirchen, 12.01.2012. Der fehlerhafte Gebrauch von Pharmaka zur Drogensubstitution ist weit verbreitet. Eine Vielzahl der Substitutionspatienten konsumieren missbräuchlich Buprenorphin und Methadon nasal oder injizieren die Zubereitungen. Eine Gefahr geht besonders von unlöslichen galenischen Hilfsstoffen wie Talkum aus.

Granulome schädigen Nieren
Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen legte bereits im Jahr 2004 einen Bericht über die Gesundheitsgefahren von Talkum bei intravenöser Applikation oraler Substitutionsmittel vor. Zahlreiche Studien belegen die Gefahr der missbräuchlichen Anwendung oraler Darreichungsformen. Matthias Helt[1] untersuchte in seiner Dissertation am Institut für Rechtsmedizin in Hamburg über drei Jahre pulmonale Fremdkörpergranulome der Rauschgifttodesfälle. In der Frühphase nach Talkuminjektionen kommt es zu Fibringerinnsel um die Talkumpartikel und zur Anlagerung von segmentkernigen Granulozyten. Durch derartige Mikrothromben verschließen sich Lungenkapillaren. Die Granulome werden bereits nach etwa drei Tagen gebildet und können sogar zehn Jahre nach der letzten Injektion nachgewiesen werden.

Augenschäden weit verbreitet
In den Augen können kleine Talk-Partikel die Kapillaren und kleinen Blutgefäße verschließen. Die charakteristische Talk-Retinopathie ist bei bis zu 80 Prozent der Langzeit-i.v.-Drogenkonsumenten vorhanden, nach Maloney[2] beträgt die Inzidenz von Augenschäden durch Injektion von Talk 28 bis 44 Prozent. Auch das Immunsystem, das Herz, die Haut und die Nieren können durch Talkablagerungen geschädigt werden.

Talkum als galenischer Hilfsstoff: Aufklärung und Verzicht
Helt empfiehlt in seiner Dissertation: "Die Aufklärungen über i.v.-Applikation von Tabletten deren Auswirkungen und den unheilbaren Folgeerkrankungen sollten beibehalten bzw. intensiviert werden, da diese eine erhebliche Gesundheitsgefahr darstellen. Unter Umständen sollten auch Ausweichmittel bei der Tablettenherstellung diskutiert und untersucht werden, die bei i.v.-Applikation keine Organschäden verursachen."
Auch die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin empfiehlt im Dezember 2010 zur Minderung des gesundheitlichen Risikos die Patienten über den möglichen Talkumgehalt und die gesundheitlichen Folgen der intravenösen Applikation aufzuklären und möglichst talkumfreie Substitutionsmittel zu verwenden. Der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenarbeit (AKZEPT) warnt ebenfalls vor dem Missbrauch talkumhaltiger Substitutionsmittel.

Methaddict® und Buprenadict® sind talkumfrei!
Einige Generikahersteller verzichten dennoch nicht auf Talkum in Substituten, andere nutzen die Talkumbeimengung sogar als Marketinginstrument. Es wird suggeriert, das talkumhaltige Mittel sei sicher(er), weil ein Missbrauch wegen des abschreckenden Effektes vermindert wird. Die SANDOZ Pharmaceuticals GmbH trägt den risikoreichen Konsummustern Rechnung und hat die Galenik ihrer Methaddict® Tabletten geändert: Diese sind nun frei von Talkum. Auch das neu in den Markt eingeführte Markengenerikum Buprenaddict® mit Buprenorphin zeichnet sich durch Talkumfreiheit aus. Dadurch wird die Anwendersicherheit der Tabletten bei einem Fehlgebrauch erhöht und den Forderungen der suchtmedizinischen Gesellschaften und Verbänden entsprochen.

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[1] Helt M.: Analyse der Hamburger Rauschgifttodesfälle im Zeitraum 2004-2006 auf Hepatitis B, C, HIV und pulmonale Fremdkörpergranulome , Dissertation Universität Hamburg 2010
[2] Maloney, C. M. (2002). Talc retinopathy. How history can aid diagnosis. Optometry, 13. Dezember, S. 34-36


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